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Als ich eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand ich mich in meinem Bett zu einem ungeheuren Ungeziefer verwandelt. Zuerst dachte ich, dass dies ein schlechter Scherz sei. Ich hob meinen Kopf und erblickte anstatt meines muskulösen Bauches einen gelbbraunen Panzer, außerdem sechs kleine, dünne Beinchen, die wie wild herumzappelten. Aus meinem Kopf wuchsen zwei überdimensional lange Faden heraus, die sich, wenn ich das Buch berührte, das ich vor dem Einschlafen gelesen hatte, einzogen. Um herauszubekommen, welchen Zweck diese zwei Fäden hätten, tastete ich konzentriert und vorsichtig das Buch und mein Kopfkissen damit ab. Meine Wahrnehmungen ließen sich nur so erklären, dass diese Fäden Fühler zur Orientierung waren. Langsam musste ich aufstehen, doch dies war nicht so simpel wie sonst. Wie sollte ich auf die Beine und dann aus dem Bett kommen?
Ich konzentrierte mich wieder, um die Flügel und nicht ein anderes Glied zu bewegen. Langsam machte ich probeweise Flügelschläge. Nach diesem Versuch war ich total erledigt, weil das Geflattere nicht nur enorme Kraft kostete, sondern auch verdammt weh tat, da mein ganzes Gewicht auf den Flügeln lag. Noch einer kleinen Ruhepause wurde mir klar, dass ich Schwung brauchte um auf die Beine zu kommen. Zuerst verlagerte ich mein Gewicht von der einen auf die andere Seite und kam ins Schaukeln. Anschließend gautschte ich wie ein Irrer hin und her und brachte meine Flügel mit ins Spiel. Nach ein paar wilden Flügelschlägen flog ich auf die andere Seite meines Doppelbettes. Ich fühlte mich wie in der Achterbahn, alles drehte sich um mich und - es war wie ein Wunder - schließlich stand ich auf allen sechs Beinen. Triumphierend legte ich einen Freudentanz hin, jedoch stolperte ich dabei über meine Beine und fiel hin. Ich befürchtete schon, ich hätte eines meiner Beinchen eingeklemmt, aber zum Glück waren sie alle heil, jedes in seiner Position.
Meine Freude schlug sofort um, als die Tür geöffnet wurde und meine Mutter ins Zimmer trat. Sie brüllte wie eine Wilde, ich solle endlich aufstehen, und hob meine Bettdecke hoch. Als sie mich nicht sehen konnte, ließ sie ihren Blick im Zimmer umhergleiten. Das ließ mir Zeit, die Flucht zu ergreifen. Ich war aber noch nicht weit gekommen, als meine Mutter einen Mark durchdringenden Schrei ausstieß, so dass mein Bruder hereinstürzte und fragte, was los sei. Meine Mutter ordnete an, Insektenvernichtungsmittel zu holen, da sich kakerlakenähnliche Tiere herumtrieben.
Dazu muss man sagen, dass sie panische Angst vor Insekten oder Ähnlichem hat. Ich flüchtete, als ich ihre Worte hörte, das Bett entlang. Das brachte jedoch Probleme mit sich, da es meine Leidenschaft ist, im Bett zu essen und deshalb überall auf dem Bettlaken Krümel herumlagen, denen ich ausweichen musste. Ich hatte noch keine gute Koordination über meine Beine und so ging das Laufen nur langsam und im Slalom voran.
Als ich endlich am Bettrand ankam, musste ich den Bettpfosten herunterkrabbeln, um auf den Fußboden zu gelangen. Ich dachte an all die Käfer, die keine Probleme haben senkrecht Wände herunterzugehen. Also nahm ich meinen ganzen Mut zusammen, wagte den ersten Schritt und krabbelte vorsichtig den Bettpfosten herunter, dies ging besser als ich dachte. Um mich in Sicherheit zu bringen, versuchte ich schnellst möglich unter das Bett zu gelangen. Im selben Augenblick kam mein Bruder mit dem Insektenspray in der Hand ins Zimmer zurück. Meine Mutter streckte ihren Kopf unter das Bett und ließ verlauten, dass der Käfer dort unten sei. Da mein Bruder etwas korpulenter ist, hatte ich noch eine Chance mich davon zu machen und unter den Schrank zu rennen. Ich hatte schnell gelernt meine Beine unter Kontrolle zu bekommen, so dass ich mich mit einer akzeptablen Geschwindigkeit bewegen konnte. Obwohl ich höllisch aufpassen musste, um dem Müll und dem Dreck, der auf dem Boden lag, auszuweichen, erreichte ich den Schrank vor meinem Bruder.
Meine Mutter nahm die Sache jetzt selbst in die Hand und sprühte das Spray in die Ritze zwischen Fußboden und Schrank. Glücklicherweise hatte ich mich ganz hinten versteckt und konnte die Flucht wieder aufnehmen. Jedoch hatte ich von dem Angriff Schaden genommen. Meine Atmung war stockend. Ich konnte nur noch röcheln. Außerdem hatte ich kaum noch Kraft, meine Fühler in der Luft zu halten und ließ sie wie Metallstäbe auf den Boden fallen. Langsam überkam mich Angst, Panik und Verzweiflung. So ratlos war ich noch nie zuvor gewesen. Ich konnte doch nicht einfach so ausgelöscht werden und das auch noch von meinem Bruder und von meiner Mutter! Ja verstehen die denn überhaupt nichts, fragte ich mich wütend. Mord ist ein schwerwiegendes Delikt! Ich war so in Gedanken, dass ich es nicht mitbekam, als meine Mutter dicht vor mir stand, ihren Finger auf den Knopf des Sprays drückte und sprühte.
In diesem Moment erwachte ich schweißgebadet, über mir meine Mutter hysterisch schreiend, ich solle endlich aufstehen.
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