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Als ich eines Morgens erwachte, fand ich mich in meinem Bett zu einem ungeheuren Ungeziefer verwandelt. Zunächst hatte ich von meiner Verwandlung gar nichts bemerkt. Wie immer wollte ich noch einige Minuten vor mich hindösen und das Erwachen hinausschieben. Das Klopfen an meiner Zimmertür ließ mich aufschrekken und ich versuchte mich umzudrehen. Meine Beine und Hände, die ich sonst zum Aufstehen benötigte, waren plötzlich nicht mehr da. Stattdessen sah ich ganz verschwommen acht winzig kleine Beinchen in der Luft zapppeln, die in keinem Verhältnis zu der Größe meines Zimmers standen.
Noch begriff ich nicht, was da vorgegangen war. Ich versuchte die Beinchen zu bewegen und mich mit deren Hilfe umzudrehen, musste jedoch mit Ernüchterung feststellen, dass dies unmöglich war. Völlig verwirrt ließ ich meinen Blick durch das Zimmer schweifen. Alles war viel größer und gewaltiger, als ich es aus meinen Erinnerungen kannte. Wieder und wieder klopfte es an der Tür. Dieses Klopfen hörte sich aber dumpfer und dröhnender als sonst an und allmählich begann ich zu begreifen, dass auch meine Sinnesorgane sich verwandelt hatten. Meine Mutter rief immer lauter und drängender: "Los Uli, du musst in die Schule, es ist schon spät!"
Wie gewohnt, wollte ich antworten, doch mit Entsetzen stellte ich fest, dass ich nicht mehr reden konnte. Ich versuchte, mit meinen Lippen Laute zu formen, doch ich brachte keinen einzigen Ton zustande, nicht einmal einen kläglichen Piepston konnte ich herausbringen. Ich war völlig stumm! Angst machte sich in mir breit. Meine Bewegungen wurden immer hastiger. Ich lag auf dem Rücken, doch jeder Versuch mich umzudrehen scheiterte. Es war zum Verzweifeln. Plötzlich wurde die Schlafzimmertür mit einem kräftigen Ruck aufgerissen. Durch den Windstoß wurde mein kleiner Körper wie eine Feder durch die Luft gewirbelt. Mit großer Freude stellte ich fest, dass ich fliegen konnte. Ich breitete meine Flügel aus und segelte durch mein Zimmer, dicht am Kopf meines Vaters vorbei. Wie sollte ich ihm nur klarmachen, dass ich, der Käfer, eigentlich Uli, sein Sohn, sei. Suchend schaute sich mein Vater im Zimmer um. Ich drehte mit kräftigen Flügelschwüngen noch einige Runden und versuchte dann zu landen. Dazu stellte ich meine Flügel aus, um den Flug zu verlangsamen, und streckte die Beinchen weit von mir. Die Landung glückte. Zart setzte ich meine Beinchen auf die Stirn meines Vaters auf. Sie kam mir riesig vor. Mein Vater fuchtelte mit seinen Riesenarmen wie wild um sich und wollte den Käfer, also mich, erschlagen. Mein Herz klopfte heftig und hatte schreckliche Angst. Ich musste versuchen, den Schlägen meines Vaters zu entkommen. Schnell flog ich wieder hoch und landete in meiner Regalwand. Ich krabbelte hinter ein Spielzeugauto, mit dem ich als Kind viel gespielt hatte. Es kam mir wie ein Hochhaus vor. Mein kleiner Körper zitterte immer mehr. Die Welt um mich herum war riesengroß, fremd und beängstigend. Es war zum Verzweifeln. Meine Flügel falteten sich zusammen. Ich fühlte mich wie ein Häufchen Elend, verlassen und hilflos. In meinen Gedanken weinte ich, doch mein tierischer Körper konnte nicht weinen. Ich fühlte mich gefangen in meiner Käferhülle, aus der es kein Entweichen gab. Lieber sterben, als so weiterleben! Ich schloss die Augen.
Plötzlich wurde ich fest angepackt und geschüttelt. Erschrocken fuhr ich hoch. Mit Glück erfüllt blickte ich in das Gesicht meines Vaters. "Willst du denn heute gar nicht aufstehen?" Ich rieb mir die Augen und tastete meinen Körper ab. Mein Glück schien nicht abreißen zu wollen. Ganz deutlich fühlte ich meine menschlichen Beine, meine Hände und mein Gesicht. Freudestrahlend erkannte ich, dass alles nur ein böser Traum gewesen war.
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